Jeder, der schon einmal hunderte Stunden in ein episches Rollenspiel, eine komplexe Aufbausimulation oder einen knallharten Shooter investiert hat, kennt dieses mulmige Gefühl: Was passiert eigentlich mit meinen Spielständen, wenn ich die PS5 zurücksetze oder ein Spiel deinstalliere? Die ernüchternde Antwort lautet leider: Ohne die richtigen Vorkehrungen sind sie unwiederbringlich verloren. Dieser Alptraum wird für PS5-Besitzer regelmäßig zur bitteren Realität, und das oft aus reiner Unwissenheit über die Backup-Mechanismen der Konsole.
Der fatale Irrglaube: PlayStation speichert doch automatisch alles
Einer der hartnäckigsten Mythen unter PlayStation-Nutzern ist die Annahme, dass Sony automatisch alle Speicherstände in die Cloud synchronisiert. Das stimmt jedoch nur bedingt. PlayStation Plus bietet zwar eine Cloud-Speicher-Funktion, diese ist aber an ein kostenpflichtiges Abonnement gebunden. Nicht jedes Spiel unterstützt Cloud-Saves überhaupt, und selbst bei unterstützten Titeln muss die automatische Synchronisation korrekt eingerichtet sein.
Die automatische Cloud-Synchronisation funktioniert bei aktiviertem PlayStation Plus grundsätzlich zuverlässig, wenn die Konsole im Ruhemodus mit dem Internet verbunden bleibt. Wer jedoch seine Konsole im Offline-Modus nutzt oder die automatische Synchronisation in den Einstellungen deaktiviert hat – manchmal sogar versehentlich – steht plötzlich ohne Backup da. Das böse Erwachen kommt dann beim Neustart der zurückgesetzten Konsole oder beim erneuten Download eines gelöschten Spiels.
Diese Situationen führen garantiert zum Datenverlust
Die Risikomomente für eure wertvollen Spielstände sind vielfältiger, als man zunächst denkt. Ein klassischer Fall: Die PS5 läuft nicht mehr rund, stürzt regelmäßig ab oder hat andere technische Probleme. Die naheliegende Lösung scheint ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen zu sein. Doch genau hier lauert die Falle – ein Factory Reset löscht kompromisslos alle lokalen Daten, einschließlich sämtlicher Speicherstände.
Ebenso gefährlich ist die Speicherplatzknappheit. Die interne SSD der PS5 füllt sich schneller als gedacht, besonders bei modernen Blockbuster-Titeln, die locker 100 GB oder mehr verschlingen. Viele Nutzer deinstallieren dann ältere Spiele, um Platz zu schaffen, in dem Glauben, dass sich die Speicherstände beim erneuten Download automatisch wiederherstellen. Ein fataler Irrtum, denn ohne aktive Cloud-Synchronisation werden Spielstände bei der Deinstallation mit gelöscht.
Konsolenwechsel und Reparaturen: Unterschätzte Gefahrenquellen
Auch der Umstieg auf eine neue PS5 – etwa von der Standard- zur Digital Edition oder umgekehrt – birgt Risiken. Wer seine alte Konsole verkauft oder eintauscht, ohne vorher sicherzustellen, dass alle Spielstände in die Cloud hochgeladen wurden, verliert möglicherweise Jahre an Spielfortschritt. Gleiches gilt für Garantiefälle und Reparaturen: Manchmal kommt die Konsole mit gelöschtem Speicher zurück oder wird gleich komplett ausgetauscht.
So funktioniert das Cloud-Backup wirklich
Um PlayStation Plus Cloud-Speicher nutzen zu können, benötigt ihr zwingend ein aktives PlayStation Plus-Abonnement – egal ob Essential, Extra oder Premium. Ohne Abo gibt es keine Cloud-Sicherung für PS5-Spielstände, Punkt. Diese Tatsache überrascht erstaunlich viele Gelegenheitsspieler, die ihre Mitgliedschaft auslaufen lassen und dann beim nächsten Login feststellen müssen, dass ihre Speicherstände nicht mehr verfügbar sind.
Die automatische Upload-Funktion muss in den Systemeinstellungen aktiviert sein. Navigiert dazu zu Einstellungen, dann Gespeicherte Daten und Spiel-/App-Einstellungen, weiter zu Gespeicherte Daten (PS5) und schließlich Cloud-Speicher. Hier könnt ihr die Funktion global aktivieren oder für einzelne Spiele deaktivieren. Wichtig: Die Konsole muss im Ruhemodus sein und mit dem Internet verbunden bleiben, damit der Upload tatsächlich stattfindet.
Manuelle Cloud-Sicherung: Der sichere Weg
Verlasst euch niemals blind auf die Automatik. Vor jeder größeren Aktion – sei es ein System-Update, ein Factory Reset oder das Versenden der Konsole zur Reparatur – solltet ihr manuell ein Backup anstoßen. Achtet dabei auf das Upload-Symbol neben jedem Spiel, denn es zeigt an, ob und wann der letzte erfolgreiche Upload stattfand. Bei Spielen mit vielen Spielstunden lohnt sich ein genauer Blick: Ist das Datum aktuell? Stimmt die Dateigröße? Kleine Unstimmigkeiten können auf ein fehlgeschlagenes Backup hinweisen.
Die USB-Backup-Falle: Was wirklich funktioniert
Ein weit verbreiteter Irrglaube betrifft die Möglichkeit, PS5-Spielstände auf USB-Geräten zu sichern. Hier ist Vorsicht geboten: Sony hat die bei der PS4 noch verfügbare Funktion, native PS5-Spielstände auf USB-Sticks oder externe Festplatten zu kopieren, komplett gestrichen. Für native PS5-Spiele ist ein PlayStation Plus-Abonnement für Cloud-Backups zwingend erforderlich, denn USB-Geräte sind für diese Spielstände nutzlos geworden.

Anders sieht es bei PS4-Spielen aus: Diese behalten ihre USB-Exportfähigkeit, allerdings nur wenn sie auf einer echten PS4-Konsole gespielt werden. Laufen PS4-Spiele über Rückwärtskompatibilität auf der PS5, greifen die restriktiveren Backup-Regeln der neuen Konsole. Diese Einschränkung hat Sony ohne große Ankündigung eingeführt, weshalb viele Spieler erst beim Datenverlust davon erfahren.
Warum PlayStation Plus für PS5-Besitzer unverzichtbar ist
Die Abschaffung der USB-Backup-Funktion macht PlayStation Plus faktisch zur einzigen zuverlässigen Methode, um PS5-Spielstände zu sichern. Wer sein Abonnement auslaufen lässt, spielt mit dem Feuer – ein technischer Defekt, ein versehentliches Zurücksetzen oder auch nur eine Deinstallation zur Speicherplatz-Freigabe kann dann unwiederbringlich zum Verlust hunderter Spielstunden führen.
Spiele mit eingeschränkter oder fehlender Cloud-Unterstützung
Eine besonders fiese Stolperfalle sind Titel, die aus verschiedenen Gründen keine Cloud-Saves unterstützen. Das betrifft vor allem einige Multiplayer- und Free-to-Play-Spiele, deren Spielstände serverseitig gespeichert werden – hier besteht kein Risiko. Gefährlich wird es bei den wenigen Einzelspieler-Titeln, die aus technischen oder lizenzbedingten Gründen kein Cloud-Backup erlauben.
Überprüft im Zweifelsfall immer die Speicherverwaltung des jeweiligen Spiels. Wenn dort keine Option für Cloud-Upload existiert, seid besonders vorsichtig. Manche Entwickler kommunizieren diese Einschränkung kaum, sodass Spieler erst nach dem Datenverlust davon erfahren. Bei solchen Titeln gibt es leider keine zuverlässige Backup-Möglichkeit.
Der Worst-Case: Daten wiederherstellen nach dem Löschen
Habt ihr den Fehler bereits gemacht und Spielstände verloren? Die Chancen auf Wiederherstellung sind leider begrenzt. Sony bietet keine Funktion zur Wiederherstellung gelöschter lokaler Daten an. Eure einzige Hoffnung sind vorhandene Cloud-Backups, sofern diese existieren. Prüft sofort nach dem Datenverlust die Cloud-Speicher – manchmal sind dort ältere Versionen eurer Spielstände vorhanden. Das Cloud-System überschreibt normalerweise den vorherigen Spielstand mit dem aktuellen. Es gibt keine automatischen Versionshistorien, die mehrere Wochen zurückreichen.
Bei serverseitig gespeicherten Spielen – erkennbar daran, dass ihr euch beim Start mit eurem Account einloggt – sind die Daten meist sicher und werden beim Neuinstallieren automatisch geladen. Das gilt etwa für die meisten Online-Rollenspiele, Battle-Royale-Shooter und Service-Games. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie ihr Spielstände über die Cloud sichert, findet dort nützliche technische Hintergründe.
Präventive Maßnahmen für maximale Sicherheit
Entwickelt eine Backup-Routine, besonders wenn ihr viel Zeit in einzelne Spiele investiert. Bei Titeln mit 50+ Spielstunden solltet ihr mindestens wöchentlich manuell in die Cloud-Einstellungen schauen und überprüfen, ob der automatische Upload funktioniert hat. Das mag übervorsichtig erscheinen, aber der Zeitaufwand von wenigen Minuten steht in keinem Verhältnis zum potenziellen Verlust hunderter Spielstunden.
Richtet Erinnerungen ein, etwa vor jedem größeren System-Update oder wenn ihr länger nicht gespielt habt. Erstellt vor Urlauben oder längeren Spielpausen ein komplettes manuelles Cloud-Backup. Überprüft dabei den Synchronisationsstatus jedes wichtigen Spiels einzeln. Dokumentiert eure wichtigsten Spielstände mit Screenshots – das hilft zwar nicht bei der Wiederherstellung, gibt euch aber wenigstens Anhaltspunkte, falls ihr von vorn beginnen müsst. Gerade bei komplexen Rollenspielen mit verzweigten Entscheidungen könnt ihr so zumindest eure ursprünglichen Choices nachvollziehen.
Die PS5 bietet mit PlayStation Plus ein leistungsstarkes Tool zur Datensicherung, aber es funktioniert nur mit einem aktiven Abonnement. Ein verlorener Spielstand ist mehr als nur verschwendete Zeit – es ist oft auch der Verlust von Erlebnissen, Emotionen und persönlichen Gaming-Meilensteinen. Mit den richtigen Gewohnheiten und einem aktiven PlayStation Plus-Abo sichert ihr nicht nur Daten, sondern schützt eure investierte Leidenschaft vor vermeidbaren Katastrophen.
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