Der Zusammenhang zwischen Hormonen und Verhalten nach der Kastration
Nach der Kastration verändert sich der Hormonhaushalt einer Katze grundlegend. Die Keimdrüsen fehlen, wodurch keine Sexualhormone mehr produziert werden. Hypothalamus und Hypophyse arbeiten allerdings weiter und erhöhen ihre Hormonproduktion, da die gewohnte Rückkopplung ausbleibt. In den ersten zwei bis sechs Wochen sinken die Hormonspiegel besonders rapide, bevor sich nach etwa drei Monaten ein neues hormonelles Gleichgewicht einstellt.
Diese Umstellung hat direkte Auswirkungen auf den Stoffwechsel und das Verhalten. Der Appetit nimmt zu, während das Sättigungsgefühl abnimmt. Gleichzeitig reduziert sich die körperliche Aktivität, da der Wandertrieb und das Revierverhalten nachlassen. Viele Halter beobachten in dieser Phase Verhaltensänderungen, die sie irritieren: Die Katze miaut nachts vermehrt, wird unsauber oder zeigt ungewohnte Unruhe.
Übermäßiges Miauen nach der Kastration
Vermehrtes Miauen nach der Kastration ist eine häufige Beobachtung und hat unterschiedliche Ursachen. Manche Katzen durchleben eine Phase der Orientierungslosigkeit, da die hormonell gesteuerten Verhaltensweisen wegfallen, während die innere Unruhe zunächst bestehen bleibt. Andere leiden tatsächlich unter Hunger, weil ihr veränderter Stoffwechsel nach mehr Energie verlangt.
Erhöhen Sie den Proteinanteil im Futter. Hochwertiges Protein sättigt länger und stabilisiert den Blutzuckerspiegel, wodurch Heißhungerattacken vermieden werden können. Teilen Sie die Tagesration in mehrere kleine Mahlzeiten auf, denn häufigeres Fressen simuliert das natürliche Jagdverhalten und reduziert Frustration. Nutzen Sie Futterpuzzles und Intelligenzspielzeug, um die Nahrungsaufnahme zu verlangsamen und gleichzeitig geistige Auslastung zu bieten.
Passen Sie die Futtermenge an den reduzierten Energiebedarf an. Nach der Kastration wird empfohlen, die Futtermenge um etwa 20 bis 30 Prozent zu reduzieren, um Übergewicht vorzubeugen. Wichtig ist, dass Sie trotz der Mengenreduktion darauf achten, dass Ihre Katze ausreichend satt wird. Eine hungrige Katze wird zwangsläufig vermehrt vocalisieren und unruhig werden.
Unsauberkeit nach der Kastration verstehen
Plötzliche Unsauberkeit nach der Kastration belastet die Beziehung zwischen Katze und Halter erheblich. Für die Katze hat sich ihr eigener Körper verändert, Gerüche sind anders, und manchmal führt die Operation zu vorübergehenden Beschwerden im Harn- oder Verdauungstrakt. Bei etwa fünf Prozent der kastrierten Kätzinnen kann im späteren Alter Harninkontinenz auftreten, meist verbunden mit einer Schwäche der Blasenmuskulatur.
Bevorzugen Sie Nassfutter, da es die Flüssigkeitsaufnahme deutlich erhöht. Eine ausreichende Hydration ist wichtig für die Harnwegsgesundheit. Stellen Sie mehrere Katzenklos auf, die Faustregel lautet: Anzahl der Katzen plus eins. Reinigen Sie die Katzenklos täglich gründlich, denn Katzen sind sehr reinliche Tiere und meiden verschmutzte Toiletten. Bieten Sie Trinkbrunnen an, da fließendes Wasser viele Katzen zum Trinken animiert. Beobachten Sie das Urinierverhalten genau, denn Schmerzen beim Wasserlassen können dazu führen, dass die Katze das Katzenklo mit dem unangenehmen Gefühl verknüpft und es meidet.

Sollte die Unsauberkeit anhalten, ist ein Tierarztbesuch unerlässlich, um medizinische Ursachen wie Harnwegsinfektionen oder Blasenentzündungen auszuschließen.
Verändertes Aggressionsverhalten
In den meisten Fällen werden Katzen nach der Kastration zutraulicher und weniger aggressiv. Kater zeigen deutlich weniger Sexualhormon-gesteuertes Aggressionsverhalten, das Markieren mit Urin nimmt ab, und der Drang zu kämpfen verringert sich erheblich. Manche Kater, die vorher sehr aktiv und laut waren, werden nach dem Eingriff zurückhaltender und ruhiger.
Bei einigen Katzen kann jedoch auch das Gegenteil eintreten. Der Grund liegt oft in Schmerzen während der Heilungsphase, Frustration über eingeschränkte Mobilität oder Unsicherheit durch die hormonelle Umstellung. In diesen Fällen zeigt die Katze ihre Überforderung durch Kratzen, Beißen oder Angriffe.
Sorgen Sie für einen ruhigen Rückzugsort während der Heilungsphase, denn Stress verschlimmert aggressives Verhalten. Vermeiden Sie Futter mit übermäßigem Kohlenhydratanteil, da Blutzuckerschwankungen Reizbarkeit fördern können. Achten Sie auf regelmäßige Fütterungszeiten, aggressive Episoden treten häufiger bei Hunger auf. Bieten Sie ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten, sobald die Wundheilung abgeschlossen ist, eine gelangweilte Katze neigt eher zu Frustrations-Aggressionen.
Das richtige Timing bei der Fütterung
Wann Sie Ihre Katze füttern, kann einen erheblichen Unterschied machen. Füttern Sie die Hauptmahlzeit etwa zwei Stunden vor Ihrer Schlafenszeit, um nächtliche Unruhe zu vermeiden. Eine kleine Portion direkt vor dem Zubettgehen kann den berüchtigten Weck-Angriff in den frühen Morgenstunden verhindern.
Die Anpassungsphase durchstehen
Die Verhaltensanpassung nach einer Kastration kann bei manchen Katzen bis zu drei Monate dauern. In dieser Zeit befindet sich Ihre Katze in einem Zustand permanenter Veränderung. Das hormonelle Gleichgewicht hat sich innerhalb weniger Wochen neu eingependelt, doch die Gewöhnung an den veränderten Körper und die neuen Empfindungen braucht Zeit.
Dokumentieren Sie die Entwicklung: Führen Sie ein Tagebuch über Fütterungszeiten, Verhaltensauffälligkeiten und positive Momente. So erkennen Sie Muster und können rechtzeitig gegensteuern. Arbeiten Sie eng mit Ihrem Tierarzt zusammen und scheuen Sie sich nicht, bei ausbleibendem Erfolg einen auf Verhaltensmedizin spezialisierten Kollegen hinzuzuziehen.
Ihre Katze hat nicht vergessen, wie man eine liebevolle Beziehung pflegt. Sie muss nur lernen, wer sie in ihrem hormonell veränderten Körper ist. Mit Geduld, der richtigen Ernährung und aufmerksamer Beobachtung geben Sie ihr die Sicherheit zurück, die sie braucht. Die allermeisten Katzen entwickeln sich nach der Umstellungsphase zu ausgeglicheneren, häuslicheren Gefährten, die weniger streunen, weniger markieren und friedlicher mit Artgenossen umgehen.
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