Neues Gesetz ab 2026 ändert alles, diese 3 Siegel solltest du ab sofort ignorieren

Wer im Supermarkt vor dem Kühlregal steht und Hackfleisch kaufen möchte, sieht sich einer Vielzahl von Symbolen, Siegeln und Kennzeichnungen gegenüber. Diese bunten Aufkleber und Logos versprechen Qualität, Tierwohl oder regionale Herkunft – doch was steckt wirklich dahinter? Viele Verbraucher greifen intuitiv zu Produkten mit vertrauenswürdig wirkenden Zeichen, ohne genau zu wissen, welche Standards dahinterstehen. Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel und erklärt, worauf ihr beim Hackfleisch-Kauf wirklich achten solltet.

Die Pflicht-Kennzeichnungen: Was das Gesetz vorschreibt

Bevor wir uns den freiwilligen Siegeln widmen, lohnt sich ein Blick auf die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben. Jede Hackfleisch-Verpackung muss bestimmte Informationen tragen, die euch grundlegende Orientierung bieten. Das Identitätskennzeichen – ein ovaler Stempel mit Buchstaben- und Zahlenkombination – verrät, in welchem Betrieb das Fleisch verarbeitet wurde. Die Kombination aus Ländercode und Zulassungsnummer ermöglicht die Rückverfolgung bis zum verarbeitenden Unternehmen.

Besonders relevant ist die Herkunftskennzeichnung, die bei Hackfleisch verpflichtend ist. Hier müssen sowohl das Aufzuchtland als auch das Schlachtland angegeben werden. Steht dort „Aufzucht: Deutschland, Schlachtung: Deutschland“, stammt das Tier aus heimischer Produktion. Findet ihr jedoch unterschiedliche Länder, wurde das Tier möglicherweise über weite Strecken transportiert – ein Aspekt, der für viele bewusste Käufer entscheidend ist.

Die Haltungsform-Kennzeichnung: Ein System im Wandel

Seit Juli 2024 gibt es ein fünfstufiges System zur Kennzeichnung der Haltungsform, das ihr auf vielen Hackfleisch-Verpackungen findet. Die Stufen reichen von eins bis fünf und sollen auf den ersten Blick zeigen, wie das Tier gelebt hat. Stufe eins entspricht dabei den gesetzlichen Mindeststandards, während die höheren Stufen erhöhte Anforderungen an Platzangebot und Auslaufmöglichkeiten stellen. Die neue fünfte Stufe gilt ausschließlich für Produkte aus ökologischer Tierhaltung und wurde in enger Abstimmung mit dem geplanten staatlichen Tierhaltungskennzeichnungssystem eingeführt.

Doch Vorsicht: Dieses System ist eine freiwillige Initiative von Handelsunternehmen wie Aldi, Edeka, REWE, Kaufland und Lidl. Die Kriterien wurden von diesen Handelspartnern definiert, nicht von unabhängigen Tierschutzorganisationen. Zudem sagt die Haltungsform nichts über andere wichtige Faktoren wie Fütterung, Medikamenteneinsatz oder Transportwege aus. Ein Produkt mit Haltungsform-Stufe zwei kann durchaus aus konventioneller Intensivmast stammen – nur mit minimal mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben.

Was die einzelnen Stufen konkret bedeuten

Die erste Stufe – oft mit „Stallhaltung“ bezeichnet – garantiert lediglich die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Stufe zwei bietet etwas mehr Raum und zusätzliches Beschäftigungsmaterial. Ab Stufe drei wird es interessanter: Hier gibt es deutlich mehr Platz und meist Zugang zu Außenbereichen. Stufe vier entspricht häufig ökologischen Standards mit Auslauf und strengeren Fütterungsvorschriften. Die fünfte Stufe steht ausschließlich für zertifizierte Bio-Produkte mit den höchsten Anforderungen.

Das neue staatliche Tierhaltungskennzeichen: Mehr Transparenz ab 2026

Eine wichtige Neuerung für bewusste Verbraucher: Seit August 2023 existiert ein staatliches Tierhaltungskennzeichnungssystem, das ab März 2026 verpflichtend für frisches Schweinefleisch aus deutscher Produktion wird. Dieses Kennzeichen unterscheidet sich grundlegend vom privaten Haltungsform-System durch seine gesetzliche Verpflichtung und staatliche Überwachung. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat damit einen wichtigen Schritt zu mehr Transparenz und einheitlichen Standards gesetzt.

Während die Haltungsform-Kennzeichnung eine freiwillige Brancheninitiative bleibt, schafft das staatliche System verbindliche Mindestanforderungen. Für Verbraucher bedeutet dies mehr Sicherheit bei der Kaufentscheidung, da die Standards gesetzlich festgeschrieben und behördlich kontrolliert werden. Beide Systeme können parallel auf Verpackungen erscheinen und ergänzen sich in ihrer Aussagekraft.

Bio-Siegel: Unterschiede, die ihr kennen solltet

Viele vertrauen auf das EU-Bio-Logo – jenes grüne Blatt aus Sternen. Dieses Siegel garantiert, dass das Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft stammt, mit strengeren Regeln für Fütterung, Medikamenteneinsatz und Tierhaltung. Doch auch hier gibt es erhebliche Unterschiede. Das EU-Bio-Siegel setzt Mindeststandards, die von verschiedenen Anbauverbänden deutlich übertroffen werden.

Diese Verbands-Siegel haben oft wesentlich strengere Kriterien. Während das EU-Bio-Logo bestimmte Grundanforderungen definiert, fordern manche Verbände zusätzliche Maßnahmen. Auch bei den Haltungsbedingungen gehen diese Standards deutlich weiter: mehr Platz pro Tier, längere Mastzeiten und strengere Vorschriften zur Fütterung sind die Regel. Bio-Siegel bieten in der Regel die umfassendsten Standards, wobei die Unterschiede zwischen EU-Bio und Verbandsbio beachtlich sein können.

Regional-Siegel: Nähe ist nicht gleich Qualität

Regional liegt im Trend, und die Lebensmittelindustrie hat dies erkannt. Zahlreiche Regional-Siegel zieren mittlerweile Hackfleisch-Verpackungen. Doch was „regional“ bedeutet, ist nirgendwo einheitlich definiert. Für manche Siegel gilt ein Bundesland als Region, für andere ein Umkreis von 150 Kilometern, wieder andere fassen mehrere Bundesländer zusammen.

Entscheidend ist: Regional-Siegel: Nähe ist nicht gleich Qualität. Ein Tier kann regional geboren, aufgezogen und geschlachtet worden sein – und trotzdem aus konventioneller Massentierhaltung stammen. Prüft daher genau, welche Kriterien hinter einem Regional-Siegel stehen. Seriöse Programme machen ihre Standards transparent und lassen sich von unabhängigen Stellen kontrollieren.

Tierwohl-Label: Zwischen Marketing und echter Verbesserung

Verschiedene Organisationen haben eigene Tierwohl-Programme entwickelt, deren Siegel ihr auf Fleischprodukten finden könnt. Die Initiative Tierwohl beispielsweise zertifiziert Betriebe mit definierten Mindestanforderungen – etwa zehn Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben sowie Zugang zu organischem Beschäftigungsmaterial. Diese Programme versprechen bessere Bedingungen für die Tiere – doch die Unterschiede zwischen den Programmen sind enorm.

Kritisch solltet ihr vor allem bei selbst entwickelten Siegeln der Hersteller oder Händler sein. Diese unterliegen oft weniger strengen Kontrollen als unabhängig vergebene Zertifikate. Achtet darauf, ob das Siegel von neutralen Kontrollstellen geprüft wird und ob die Kriterien öffentlich einsehbar sind. Transparenz ist hier das A und O.

Worauf ihr beim Kauf wirklich achten solltet

Die Vielzahl an Siegeln kann überwältigend wirken. Einige praktische Tipps helfen euch, den Durchblick zu behalten:

  • Konzentriert euch zunächst auf die Pflichtangaben: Herkunftsland und Identitätskennzeichen geben grundlegende Informationen
  • Achtet auf unabhängig vergebene Siegel mit transparenten, öffentlich einsehbaren Kriterien
  • Bei Regional-Siegeln prüfen, was konkret unter „regional“ verstanden wird
  • Bei der Haltungsform-Kennzeichnung mindestens Stufe drei wählen, wenn euch Tierwohl wichtig ist
  • Ab 2026 zusätzlich am staatlichen Tierhaltungskennzeichen orientieren

Verbands-Bio-Siegel stellen meist noch strengere Anforderungen als das EU-Bio-Logo. Regional-Siegel sind sinnvoll, wenn ihr kurze Transportwege bevorzugt – aber sie garantieren nicht automatisch bessere Haltungsbedingungen. Das neue staatliche Tierhaltungskennzeichen wird ab 2026 verbindliche und kontrollierte Standards garantieren.

Die Grenzen der Siegel: Was sie nicht verraten

So hilfreich Siegel sein können – sie haben auch Grenzen. Viele Aspekte der Fleischproduktion werden von keinem Siegel abgedeckt. Wie lange wurde das Tier transportiert? Unter welchen Bedingungen fand die Schlachtung statt? Welche Antibiotika kamen zum Einsatz? Diese Fragen bleiben oft unbeantwortet.

Zudem sagt die schiere Anzahl von Siegeln auf einer Verpackung nichts über die tatsächliche Qualität aus. Manche Hersteller sammeln möglichst viele Logos, um Vertrauen zu erwecken – auch wenn einige davon kaum über gesetzliche Standards hinausgehen. Weniger kann hier tatsächlich mehr sein, wenn es sich um anspruchsvolle, unabhängig kontrollierte Zertifizierungen handelt.

Transparenz einfordern: Euer Recht als Verbraucher

Als Konsument habt ihr das Recht auf umfassende Information. Scheut euch nicht, beim Händler oder direkt beim Hersteller nachzufragen, wenn euch Angaben unklar sind. Seriöse Unternehmen geben gerne Auskunft über ihre Standards und Kontrollen. Wer hingegen ausweichend antwortet oder sich in Marketingfloskeln verliert, hat möglicherweise etwas zu verbergen.

Nutzt auch digitale Hilfsmittel: Verschiedene Verbraucherschutz-Organisationen bieten Apps und Online-Datenbanken, in denen ihr Siegel nachschlagen und bewerten könnt. Diese Tools helfen euch, direkt im Supermarkt fundierte Entscheidungen zu treffen. Je mehr Verbraucher kritisch nachfragen und bewusst kaufen, desto stärker wird der Druck auf Hersteller, tatsächlich bessere Standards umzusetzen statt nur vertrauenswürdige Symbole auf die Verpackung zu drucken. Mit dem neuen staatlichen Tierhaltungskennzeichen ab 2026 wird sich die Situation weiter verbessern – ein wichtiger Schritt für mehr Tierwohl und Transparenz beim Fleischkauf.

Welche Haltungsform-Stufe kaufst du beim Hackfleisch normalerweise?
Stufe 1 Stallhaltung
Stufe 2 mit mehr Platz
Stufe 3 oder höher
Achte nicht auf Siegel
Kaufe nur Bio

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